Munichia Tradition
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Munichengeschichte

Vorgeschichte und Gründung: 1878 wurde in München ein nicht farbentragender A.T.V. (Akademischer Turnverein) gegründet. Ihm gehörten Universitäts- und TH-Studenten an. Man hatte jedoch versäumt, den Verein bei der Universität anzumelden, was damals Pflicht war.

Dieser A.T.V. war Mitglied im C.V. des Cartellverbandes akademischer Turnvereine an deutschen Hochschulen. Innerhalb dieses Verbandes gab es zwei Strömungen, die eine, der auch der A.T.V. München anhing, erstrebte einen lockeren Verein mit möglichst vielen Mitgliedern, die andere eine streng korporative Gemeinschaft mit Couleur, Bestimmungsmensur, unbedingter Satisfaktion und Maturitätsprinzip (Matura = Abitur). Als durch einen Beschluß des Verbandes festgelegt wurde, nur noch Vereine aufzunehmen, die dem Maturitätsprinzip genügten, beschlossen der Berliner A.T.V. und der A.T.V. München, aus dem C.V. auszutreten, da sich bei beiden der überwiegende Teil aus TH – Studenten zusammensetzte.

Die TH von damals entsprach mehr unserem Polytechnikum. Abitur wurde dort nicht verlangt. Daraufhin traten die Universitätsstudenten sofort aus dem A.T.V. München aus und gründeten die A.T.V. Munichia, um so im C.V. bleiben zu können. Zunächst war daran gedacht, den A.T.V. München zu teilen, in einen TH- und einen Universitätsteil. Da der A.T.V. München bei seiner Gründung jedoch nicht eingetragen worden war, mußte eine Neugründung erfolgen.

Der Austritt der Universitätsstudenten aus dem A.T.V. München und der Beschluß einen neuen Bund zu gründen, erfolgten am 10.01.1883. Dieses Datum wurde später zum Stiftungstag Munichias erklärt.

Gründer:

Wurm, Wagner, Wittenmeier, v. Kryger, Knobloch, Krimke, Herms, Pilgrim, Schönung

Herms war der entscheidende Mann bei der Neugründung und erster X. Von Krüger war maßgebend für die Entwicklung Munichias während der ersten Semester.

Die Entwicklung zu einer geschlossenen Korporation:

  • Februar 1883 Eintritt in den C.V.
  • SS 1883 Einführung eines offiziellen Paukbodens
  • WS 1883/84 Erste Partie unter dem Waffenschutz des Corps Transrhenania
  • SS 1884 Grundsatz der unbedingten Satisfaktion wird angenommen. Eigene Waffen werden angeschafft.
  • WS 1884/85 Coleur wird angelegt. Damit ist die Entwicklung abgeschlossen.

In den nächsten Jahren hebt der C.V. den Kartellzwang auf und benennt sich um in V.C.: Vertreterconvent akademischer Turnvereine auf deutschen Hochschulen. Die Folge davon sind zahlreiche Neugründungen, in München Ghibellinia. Später werden die Vereine Turnerschaften genannt.

Während des 1. Weltkrieges wird der Bund geschlossen, da alle Aktiven ins Feld ziehen. 1919 Wiedereröffnung. 1925 wird das Haus in der Liebigstraße gekauft. 1936 wird der Bund in Folge der allgemeinen Gleichschaltung des NS-Regimes erneut geschlossen.

 

I. Die Anfänge unserer lieben T! Munichia

Im Sommersemester 1878 wurde sowohl an der Universität München als auch am Polytechnikum, ähnlich der heutigen TH, ein nichtfarbentragender Akademischer Turnverein (ATV) gegründet. Ein Verein war, wie immer, wenn sieben Deutsche zusammentreffen, nötig, um sich zu organisieren, das gemeinsame Leben mit Regeln zu versehen und das Zusammengehörigkeitsgefühl auch nach außen zu demonstrieren.

Seine Mitglieder frönten der körperlichen Ertüchtigung, hauptsächlich im Freien, da es noch kaum Turnhallen gab, und übten sich in allen Disziplinen der Leichtathletik, sowie dem Turnen am Boden und am Gerät. Ihr Vorbild war in dieser Hinsicht „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), dessen Wahlspruch „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ auch fast alle Wappenschilder der Turnvereine zierte und auch heute noch im Wappen vieler Turnerschaften zu finden ist.

Die Studenten nahmen dieses Turnprinzip an und an vielen Hochschulen wurden ATVs gegründet. Die damalige Welt hielt nicht viel von den „Kaspereien“ der Turner. Hier zeigt aber die geschichtliche Entwicklung einmal wieder die Rolle der Studenten als „ewige Vorreiter“ und prägende Mitglieder der Gesellschaft.

Die ATVs in Deutschland schlossen sich am 4.8.1872 im „Cartellverband deutscher akademischer Turnvereine auf deutschen Hochschulen“ (CV) zusammen. Er sollte dem weiteren Verbreiten des Turnens an deutschen Hochschulen dienen. In diesem Dachverband befand sich auch der ATV München. Er setzte sich aus Studenten der Uni und des Polytechnikums zusammen. Hier tat sich das erste Problem auf: Das Polytechnikum verlangte im Gegensatz zur Uni keine Matura, und die Studenten fühlten sich als eine Art Elite. Diese Spannungen, vergleichbar zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten in der siebten Klasse, tat sich auch im ATV München und im ganzen Kartellverband auf. Nachdem die Frage der Grundsätze des CV geklärt war, besann man sich wieder auf Streitigkeiten, die Interna betrafen.

Auf dem Kartellturnerfest zu Sangerhausen im SS 1882 wurde die Aufnahme der ATV Aachen wegen zu vieler Polytechnikumsstudenten abgelehnt. Ein Maturitätsprinzip im Kartellverband zeichnete sich ab. Außerdem waren das Tragen von Farben und das Fechten Gegenstand der Diskussion geworden. Viele ATVs hatten inzwischen Couluer und den Grundsatz der Satisfaktion angenommen. Empört trat der ATV Berlin, neben dem ATV München der einzige, der auch Studenten des Polytechnikums aufnahm, aus dem Verband aus. Seine Mitglieder wollten keine Korporation aus ihrem Turnverein entstehen lassen, da ihnen der lockere Zusammenschluss als Verein genügte.

Am 10.01.1883 erklärte auch der ATV München seinen Austritt aus dem Kartellverband, denn es war das Maturitätsprinzip in ihren Statuten festgelegt worden. Die damalige Situation im ATV München stellte sich mit 49 AHAH, davon vier von der Uni, der Rest vom Polytechnikum, mit 11 Aktiven gegenüber 40 vom Polytechnikum dar.

Die Satzungsänderung des Verbandes zwang den ATV München also zum Austritt und zu einer Existenz außerhalb des CV.

Der Austritt brachte für einige Mitglieder Probleme mit sich, da sie bereits in anderen ATVs, die im Verband verblieben waren, aktiv waren und ihr Verhältnis zu diesen hätten beenden müssen. Auch wurden die, die wir inzwischen als unsere Gründungsburschen ehren, auf dem letzten Convent, an dem sie teilnahmen und als ATV der Universität aus dem ATV München austreten wollten, beschuldigt, die Einheit des Vereins durch abspalterische Absichten zu bedrohen.

Daraufhin traten die Universitätsstudenten, bis auf drei, aus dem ATV München aus, um die ATV Munichia an der Universität zu gründen, der mit ausschließlich Universitätsstudenten und dem Willen zum Fechten und zum tragen von Couleur wieder in den Cartellverband aufgenommen werden konnte.

„Als Mitglieder des Akademischen Turnvereins der Universität München bekennen sich hiermit und verpflichten sich durch Namensunterschrift, für seine Ehre einzustehen und für sein vivat, crescat, floreat nach Kräften zu sorgen.“ So der Text der Gründungsurkunde des ATV Munichia vom 13.1.1883, unterzeichnet von den BbrBbr. Wurm, Wagner, Wittenmayer, v. Kryger, Knobloch, Krimke, Herms und Pilgrim. Alle acht Studenten der Medizin und Rechtswissenschaft.

Es gab nun also zwei ATVe an der Uni München, allerdings war bei der Gründung des ATV München versäumt worden, dies auch beim Rektor der Universität anzuzeigen, der ATV München existierte also offiziell nur am Polytechnikum, nie an der Universität.

Am 13.1.1883 wurde der erste Convent abgehalten, auf dem der Name Munichia, die Farben rot-weiß-schwarz, der Zirkel und der Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland - nec temere, nec timide“ vorgestellt und beschlossen wurden. Als Stiftungstag wurde der 10.01.1883 gewählt, da die Gründer an diesem Tag den Convent des ATV München verlassen und den Entschluss zur Neugründung gefasst hatten. Am nächsten Convent wurde das Wappen beschlossen. Im Februar bekam u./lb. Munichia Nachwuchs: zwei Kartellbrüder (heute Verbandsbrüder) und drei Füxe, Bbr. Wurm und der erste AH.

Das zweite Semester brachte sieben „Neue“ zum Bund, die Satzung, und für Kneipen unerläßlich: der Biercomment wurden beraten und beschlossen. Im darauffolgenden WS 83/84 wurde für das erste Stiftungsfest im Januar der erste Chargenwichs angeschafft.

Ein Antrag auf dem Convent auf eigene Farben und Waffen wurde abgelehnt, jedenfalls noch... Der Bestand unserer Munichia war zu dieser Zeit schon gefestigt und gesichert. Am 13. Mai 1884 beschloss der Convent, den Grundsatz der unbedingten Satisfaktion anzunehmen.

Es wurden die ersten „schwarzen“ Waffen angeschafft und unter dem Waffenschutz des C! Transrhenania München die ersten Partien gefochten. Nebenbei „verkehrte“ man mit den anderen Münchener Verbindungen wie C! Ratisbonia, L! Teutonia, C! Transrhenania etc. Unter „verkehren“ im damaligen Sinne ist wohl zu verstehen, dass man das Couleur der anderen Verbindungen auf der Straße grüßte und sich vielleicht auch mal bei einem Couleurbesuch einfand, bzw. die Kneipen, welche übrigens damals wöchentlich stattfanden, der anderen Verbindungen besuchte. Es entwickelte sich auch ein Paukverhältnis und es wurden Verabredungsmensuren mit den Bünden des MCV ausgetragen. Bestimmungsmensuren wie heute gab es jedoch noch nicht, obwohl bereits eine Partie zur Rezeption Pflicht war. Im WS 84/85 kamen 11 neue Füxe zu den Aktiven dazu. Außerdem kamen vier Verbandsbrüder dazu. Der Antrag auf Waffen in den eigenen Farben fand auf dem BC am 14.01.1885 die Mehrheit.

Die Kneipe, also das Verkehrslokal der Aktivitas, wechselte zu diesen Zeiten häufig: Mal im „Treffler“, mal im „Kronprinz“ oder im alten „Augustiner“. Couleurcafe war seit dem SS 84 das Cafe Neumayer. Dort traf man sich am Nachmittag, um Aktuelles zu bereden, Karten oder sonstiges zu spielen oder auch, um zu lesen.

Außerhalb Münchens, in Höllriegelsreuth im Isartal lag der damalige Mensurplatz. Nach einer mehrstündigen Wanderung („Schleppfux muß die Waffen auf den Paukplatz schaffen...“) traf man sich dort, in beiden Sinnen... Die Polizei hatte die Pauktage damals noch sehr häufig gestört, da das Fechten noch verboten war. Auch war der Pedell der Uni, wie man es häufig auf alten Stichen sieht, immer auf der Suche nach verbotenen Mensuren, um sie dem Rektor anzuzeigen.

Um das Ende des Jahrhunderts bestand unser Bund zur Hälfte aus Pfälzern, der Rest war gut gemischt aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands nach München gekommen.

An dieser Stelle seien zwei BbrBbr erwähnt, die sich besonders um den Bund und das studentische Leben verdient gemacht haben: Bbr. Max v. Kryger und Bbr. Walter Goetz. Bbr. V. Kryger war Mitbegründer und erster X unseres Bundes, zweimal XXX und auch FM. Er hatte den Antrag auf eigenes Couleur (der einzelnen BbrBbr, nicht nur die Farben im Wappen) gestellt, um die Gemeinschaft zu festigen und den Bund nach außen geschlossener wirken zu lassen. Auch war er Sprecher des Verbandes und AH- Vorsitzender ab 1888. Noch als AH hat er sich sehr für das Turnen und Fechten in der Aktivitas eingesetzt, weshalb man ihn häufig auf dem Pauk- und Turnboden gesehen hat. (Sein Bild hängt als übergroßes AH- Portrait in unserem Kneipsaal.)

Bbr. Goetz hat neben vielen Funktionen im Bund den AStA in München gegründet und sich so für eine Mitverwaltung der Studentenschaft eingesetzt. (Glücklicherweise blieb es ihm erspart, den heutigen AStA in Deutschland zu erleben.) Seine Liebe für Gedichte ließ ihn auch viele Couleurgedichte verfassen, z.B. „Das Band“. (Anm.: Sowie das Munichenlied 1893)

 

II. Zum Cartellverband und Vertreter Convent

Im Jahre 1860 fand nach der Turnsperre (1819-1842) in Coburg (!) das erste deutsche Turnfest statt. Die Turnsperre resultierte aus den ersten Karlsbader Beschlüssen, die alle deutschen Studentenverbindungen nach dem Mord von Wbr. Sand an v. Kotzebue verboten hatte. Jahn, selbst Burschenschafter, hatte das Turnen der Antike wieder entdeckt zur „Weckung der körperlichen und sittlichen Volkskräfte, aber auch zur Wehrhaftigkeit und zum Kampf um Deutschlands Einheit.“ An diesem Turnfest teilnehmende Studenten gründeten die ersten ATVe an ihren jeweiligen Universitäten. Das erste „Kartell“, d.h. Zusammenschluss von ATVe zwecks Verbreitung des turnerischen Gedankens wurde 1870 zwischen den ATVe Berlin, Leipzig und Graz geschlossen. Nach dem Krieg 1870/71 wurde dann der Cartellverband gegründet mit dem Zweck, das Turnen an den deutschen Hochschulen zu verbreiten. Gründungsmitglieder waren wiederum Berlin, Leipzig und Graz. Als weitere Mitglieder folgten bald: Bonn, Breslau, Göttingen, Greifswald, Halle, Königsberg und München.

Durch die starke Betonung des Turngedankens als Hauptzweck gerieten organisatorische Überlegungen etwas in den Hintergrund und es entwickelten sich unterschiedliche Strömungen innerhalb des Verbandes:

  1. Korporationsähnlich bis streng korporativ
  2. Lockerer Turnverein ohne feste Bindung untereinander

Aufgrund des aufkommenden Streites traten einige ATVe, z.B. Graz, aus dem Verband aus. Auf dem Leipziger Kartelltag im Januar 1883 fiel dann die Entscheidung: Alle ATVe nahmen von da an korporative Strukturen an. Ein zweiter Streit entbrannte sich an der Frage, ob Couleur zu tragen und unbedingte Satisfaktion zu geben sei. Auch war ein Maturitätsprinzip Gegenstand der Diskussion. Dadurch sahen sich der ATV Berlin und der ATV München auf Grund ihrer Mitglieder am Polytechnikum zum Austritt genötigt.

Bis 1885 war in allen ATVe und im Verband das Maturitätsprinzip durchgesetzt, zum Teil mit Auflösung und anschließender Neugründung nur mit Uni-Studenten. Der Verband nannte sich jetzt um in „Vertreter Convent“ und bekannte sich, wenn auch nur langsam, zur Bestimmungsmensur. Die anderen korporativen Verbände (Corps, Burschenschafter und auch Landsmannschafter Convent) versuchten, das Vordringen der „roten Turner“ in „ihre“ geheiligte Domäne des Fechtens zu verhindern und gingen keine Paukverhältnisse mit ihnen ein. Ein Fechten untereinander war den ATVe rein satzungsmäßig nicht möglich, sie waren auf örtliche Paukverhältnisse mit anderen Verbindungen angewiesen. So kam es z.B. beim ATV Teutonia Königsberg zu einer Konvertierung zur Burschenschaft (heute B! Teutonia Königsberg vereinigt mit B! Germania Greifswald zu Marburg). Diese Fechtprobleme führten zu Zwistigkeiten im Verband, und es kam 1890 zu dem Antrag auf dem Vertreter Convent, das allgemeine Kartellverhältnis zu lösen, lokale VCe zu gründen mit Fechtverhältnissen untereinander und Sonderkartellen. Zuerst abgelehnt, wurde dieser Antrag nach einem Jahr doch verabschiedet. Der Verband bekam einen neuen Namen: „VC – Verband farbentragender akademischer Turnvereine auf deutschen Universitäten“. Drei Jahre später, wieder eine Namen- und Satzungsänderung: statt Universitäten hieß es nun Hochschulen und es durften auch mehrere ATVe der jeweiligen Hochschulorte dem VC beitreten. Daraus resultierten viele Neugründungen (Jena, Königsberg, Tübingen, Münster) und zweite ATVe in vielen Städten. Nach nunmehr 25 Jahren des Bestehens waren im VC 32 Korporationen vereint und der Namenswechsel zur Turnerschaft wurde vollzogen.

Das nächste große Datum in der Geschichte war 1914: Bis da wurden auch wieder Turnerschaften an technischen Hochschulen aufgenommen (1914 waren es 11!), insgesamt zählte man 58 Turnerschaften an 19 Universitäten und 8 Technischen Hochschulen mit 399 AHAH und 509 Aktiven, unter ihnen die stattliche Zahl von 27 Munichen!

1901 war Gotha als Stadt des jährlichen Turnfestes ausgewählt worden, 1904 wurde das Maturitätsprinzip für alle Korporationen im Verband festgelegt und 1913 wurden alle Kartelle innerhalb des Verbandes verboten. Während des ersten Weltkrieges wurden alle Aktivitates geschlossen und der gesamte Aktivenbetrieb war durch den „Zug ins Feld“ stillgelegt.

Nach dem Krieg wurde ein „völkisches Prinzip“ bei vielen Bünden eingeführt, gegen das sich etliche Verbands- und Bundesbrüder verwehrten. Ihnen wurde ein Existenzproblem bei der Nichtpolitisierung der Verbindungen entgegengehalten, man sah bereits den dunklen Horizont, und dass die Verbindungen keinen Platz haben würden im Deutschland des gleichgeschalteten Nationalsozialismus. Trotz des großen Anteils ihrer Mitglieder an der Studentenschaft und vieler Alter Herren auch in höheren Positionen passten sie nicht in das Bild des nationalsozialistischen deutschen Menschen in seiner Volksgemeinschaft. Verbindungsstudenten waren zu sehr Intellektuelle. Sie waren innerhalb ihrer Bünde über eine Basisdemokratie über den Convent erzogen worden. Ein Führer – Prinzip muss ihnen aus ihrem politischen Selbstverständnis heraus zuwider gewesen sein, auch wenn sie als konservativ und zum Teil monarchistisch bezeichnet werden konnten.

Die Stadt Gotha wurde inzwischen als „kommunistisch verseucht“ betrachtet, und ein inzwischen politisierter Verband konnte dort keine Turnfeste mehr abhalten. Man begann mit den Bauarbeiten zur Sportstätte in Bad Blankenburg in Thüringen. Das erste Turnfest wurde dort 1926 gefeiert.

Im Jahre 1932 gab es 90 Turnerschaften, und eine starke „politische“ Veränderung des Verbandes begann... Der VC hatte sich zu Anfang noch sehr gegen die Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialistischen Studentenbund gewehrt, die Wende kam 1932, als Gedanken laut wurden, die das System der Verbindung als überholt ansahen und das Führer – Prinzip für die Bünde verlangten. Die Demokratie innerhalb hätte sich durch den Parlamentarismus selbst getötet. Es kam also zum Konsens zwischen Deutscher Studentenschaft (Dst), die damals schon fest in der Hand der Nationalsozialisten war und dem VC. Ein Jahr später wurde ein neues Studentenrecht erlassen, das in der studentischen Vertretung Dst das klare Führer – Prinzip vorsah. Die genaue Entwicklung ist sehr interessant nachzulesen im Turnerschafterbuch von 1933.

Bereits ein Jahr später hieß das Turnfest „Lager“ und einige Turnerschaften benannten sich um oder wurden umbenannt in „Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund“ (NSDStB).

AH Theurer I und AH Knobloch sind damals von der SA verprügelt worden, weil sie den Bürgersteig für einen Trupp nicht freimachten. Sie hatten aber hinterher die Genugtuung, den SA-Bullen keinen Platz gemacht zu haben und „freuten“ sich sogar über ihre Beulen.

Die Häuser hießen dann „Kameradschaftsheime“ und viele Studenten kamen nur aufgrund der Parteizugehörigkeit in diese „Verbindungen“ hinein. Die politische „Veränderung“ fand ihren Gipfel in der Schenkung der Sportstätte Bad Blankenburg an den NSDSportbund und ihren Abschluss in der Auflösung aller Aktivitates durch die Gleichschaltung im NSDStB. Viele aktive Verbands- und auch Bundesbrüder sind damals in die SA eingetreten, einige waren aber auch sehr gegen das politische Regime. Unser AH Paetzold hat auf dem letzten Convent der T! Frankonia zur Auflösung der Aktivitas gesagt: „Das ist ja alles sehr traurig, was hier beschlossen worden ist, aber glücklicherweise hat kein verbohrter Nazi beantragt, dass wir die Aktivenkasse dem NSV spenden. Wenn schon der Bundesbetrieb eingestellt werden muss, lasst uns das Geld versaufen gehen.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich der VC und die DL im CC zusammen, 1951 wurde der erste Kongress in Coburg gefeiert.

Zum WS 1951/52 wurde unsere liebe T! Munichia unter der Leitung von AH Bahr mit 12 Füxen wiedereröffnet.

Pfingsten 1952 erfolgte der Beitritt zum Coburger Convent (CC). Zu diesem hatten sich im Vorjahr die Turnerschaften des V.C. sowie die Landsmannschaften der Deutschen Landsmannschaft (DL) zusammengeschlossen.

1953 fand eine Verschmelzung mit Frankonia Breslau statt. Frankonia war unter anderem von Munichenburschen in Breslau gegründet worden. Man entschloss sich damals, nachdem die Aussicht auf eine Wiedereröffnung in nächster Zukunft nicht gegeben war, sich mit unserem Bund zu verschmelzen, um bei uns die Frankentradition fortleben lassen zu können. Die Farben der T! Frankonia zu Breslau: hellgrün-weiß-blau, Perkussion silber, Mütze hellgrün, Tellerformat, leben in Form eines Traditionsschiebers auf dem Munichenbande heute noch fort.

1954 bezieht man das Wohnheim in der Adalbertstraße, 1962 siedeln wir ins Augustiner um. Im Jahre1963 beziehen wir unser eigenes Haus in der Effnerstraße, entscheidender Initiator war AH Engel

Im Jahre 1965/66 ist Munichia Präsidierende im CC. Der Wahlspruch lautet: „Nichts halb zu tun, ist edler Geister Art.“

1973 wird in München der Bund suspendiert. AH Dehne ist letzter Münchener Fux.

Die Wiedereröffnung erfolgt im WS 1977/78 in Bayreuth in einer Etage im Schlossberglein 2. AH Aumann ist der erste neue Fux in Bayreuth.

Im SS 1985 erfolgt der Kauf des Hauses in der Friedrichstraße 27, in das im SS 1986 eingezogen wird.

 

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